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Politik über den Röschtigraben hinweg

Posted: März 24th, 2011 | Autor: enders | Filed under: Uncategorized | Tags: , , , | No Comments »

“Die Schweiz steht in einem Superwahljahr. Deshalb startet Newsnetz den Politblog: das Forum, in dem alle über alle brisanten Politfragen debattieren können. Über den Röschtigraben hinweg, in Deutsch und Französisch.” Mit diesen Worten gab Michael Marti, stellvertretender Chefredaktor von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, den Start des Politblog bekannt. Wir haben Herrn Marti aus diesem Grund um ein kurzes Interview gebeten.

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Michael Marti, 44, stellvertretender Chefredaktor von Newsnetz, betreut den Politblog.

Herr Marti, der Politblog ist ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Redaktionen. Wer ist auf die Idee gekommen und wie war der Weg zu einem medienübergreifenden Projekt?
Seit Dezember 2010 sammeln die beiden Bundeshausredaktionen von «Der Bund» und «Tages-Anzeiger» sowie von «24 heures» und «Tribune de Genève» Erfahrungen mit einer lockeren Zusammenarbeit und einem Austausch über die Sprachgrenzen hinweg. Newsnetz, das gemeinsame Newsportal von «Basler Zeitung», «Berner Zeitung», «Der Bund» und «Tages-Anzeiger», brachte die Idee ein, diesem Projekt einen Auftritt im Internet zu ermöglichen: mit dem ersten zweisprachigen Politblog der Schweiz. Newsnetz koordiniert den Blog. Und Newsnetz-Autoren schreiben gemeinsam mit ihren Kollegen aus den erwähnten Print-Redaktionen Postings.

Der Blog ist zweisprachig. Kommen bereits bilinguale Diskussionen zustande?
Tatsächlich publizieren wir alle Postings zweisprachig. Die User können in Deutsch oder in Französisch kommentieren – was bereits jetzt geschieht. Wir werden in den nächsten Wochen mit Postings, die explizit das Röschtigraben-Phänomen aus verschiedenster Perspektive beleuchten, die sprachgrenzenübergreifenden Diskussionen intensivieren.

Greifen die Diskussionen und der Austausch aus dem Blog auch auf andere soziale Netzwerke über? Sind Sie und ihre Leserinnen und Leser auch bei Facebook und Twitter aktiv?
Unsere welschen Kollegen haben für den Politblog eine Facebook-Site eingerichtet. Auf Twitter wird der Politblog rege empfohlen und diskutiert – dabei sind wir mit dem Angebot erst zwei Wochen online. Gerade für einen Blog sind diese Kanäle von grosser Bedeutung. Deshalb freuen wir uns sehr über diese Vernetzung.

Sie möchten auch jungen Politikerinnen und Politikern eine Plattform bieten. Sollen diese Ihre Wahlziele auch zum Inhalt der Diskussion zwischen den Leserinnen und Lesern machen?
Aber sicher. Wir stellen jeden Montag einem Politiker oder einer Politikerin eine Carte Blanche als Plattform zu Verfügung. Auch jungen natürlich. Und ja, diese Gastautorinnen und Gastautoren sollen sich auch mit ihren Wahlversprechen der kritischen Blog-Community stellen. Das gehört dazu in einem Wahljahr.

Vielen Dank für das Interview.

Der Politblog ist erreichbar unter:
politblog.24heures.ch
politblog.tdg.ch
politblog.tagesanzeiger.ch
politblog.derbund.ch
politblog.bernerzeitung.ch
politblog.bazonline.ch.



Klarmachen zum Ändern der Schweizer Politik

Posted: Januar 28th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | Tags: , , , | No Comments »

Interview mit dem Präsidenten der Piratenpartei Schweiz (PPS)

piratenpartei_144843171263205616Die Piraten verstehen sich als eine internationale Bewegung, die sich den Herausforderungen unserer Informationsgesellschaft und der Digitalisierung der Welt stellen möchte.

Sie wehren sich gegen eine zunehmende Einschränkung von Freiheitsrechten unter dem Deckmantel der Sicherheit und stehen für Datenschutz und eine grundlegende Reform des Urheberrechts. Nach ersten Erfolgen der Piraten in anderen europäischen Ländern bei nationalen Wahlen und der des Europaparlaments, schlossen sich vor sechs Monaten nun auch die eidgenössischen Piraten zu einer offiziellen Partei zusammen. Ihr Präsident ist Denis Simonet. Er ist Mitte zwanzig, Student, Softwaretester, und bei weitem mehr als lediglich ein Vertreter der Generation 2.0.

Zur Zeit bereitet er die ersten Wahlen seiner Partei in Winterthur und Bern von. politReport hat ihn dazu befragt.

denis-simonet-portrait(SW) Herr Simonet, waren Sie früher schon politisch aktiv und was hat Sie dazu bewegt in die Piraten Partei einzutreten?
(DS) Vor der PPS war ich nicht politisch aktiv, aber schon seit längerem mit der politischen Situation unzufrieden. Jedoch gibt es bei jeder etablierten Partei einige Dinge, die mir nicht passen. Als ich von der PPS und deren Gründungsplan erfuhr, habe ich mich über die bereits bestehenden Piratenparteien schlau gemacht. Ich war von deren Ansatz begeistert und wusste, dass es die Partei ist, nach der ich seit Jahren gesucht hatte. Es stand somit ausser Frage, dass ich mich an der Gründungsplanung und -durchführung beteilige und selbstverständlich auch beitrete.

Warum sollte man die Piraten Partei und keiner der anderen etablierten Schweizer Parteien wählen?
Wir befinden uns in einer digitalen Revolution, vergleichbar mit der Industrialisierung von damals. Die etablierten Parteien und die bestehende Gesetzgebung sind mit ihr offensichtlich überfordert. Verzweifelt wird versucht, die Probleme mit neuen Verboten und Überwachung zu bewältigen. Wir sind die kompetente Partei wenn es um Fragen geht, die durch die Digitalisierung aufgeworfen werden. Wir bieten unverbrauchte Kräfte und stehen für Lösungen, die unsere Grundrechte intakt lassen.

Sie sagen, dass im Zuge der Bekämpfung des internationalen Terrorismus ein zunehmendes Sicherheitsbedürfnis gegen Freiheitsrechte ausgespielt wurde. Glauben Sie, dass die ersten Erfolge einiger Ihrer europäischen Schwesterparteien ein Zeichen für ein diesbezügliches Umdenken sind?
Es ist einerseits beruhigend zu wissen, dass es Wähler gibt, die unsere Bedenken teilen. Jedoch befürchte ich, dass das grosse Umdenken noch nicht begonnen hat. Momentan melden sich wohl eher diejenigen zu Wort, die sich endlich von einer Partei verstanden fühlen. Noch viel zu wenige Bürger und Politiker nehmen unsere Anliegen ernst. Es steht noch viel Arbeit vor uns.

Verlieren professionelle Kulturschaffende durch Ihre Vorschläge zur Reformierung des Urheberrechts nicht die Möglichkeit von Ihrer Kunst zu leben?
Viel mehr verlieren sie diese Möglichkeit, wenn sie weiterhin denken, dass Verbote Fakten aus der Welt schaffen. Die Medienindustrie muss lernen, das Internet für sich auszunutzen statt es weiterhin zu verteufeln. Entsprechend darf auch die Gesetzgebung den Fakt, dass ein grosser Teil der Bevölkerung Filesharing betreibt, nicht ignorieren. Unsere Forderungen sind nicht gegen Kulturschaffende gerichtet. Sie richten sich gegen die Haltung, dass veraltete Geschäftsmodelle gesetzlich durchgeboxt werden sollen. Ich bin mir sicher, dass das schlussendlich auch im Sinne der Kulturschaffenden ist.

Wie wichtig sind für Sie das Social Web und andere digitale Kommunikationswege, um Ihre Wähler zu erreichen?
Das Internet, vor allem die Social Networks, sind selbstverständlich ein wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation. Deswegen haben wir auch kürzlich unserer Website ein neues Design verpasst. Es ersetzt aber keinesfalls die herkömmliche Parteiarbeit vollständig. Wir werden auch auf die Strasse gehen und mit Ständen die Nähe zu den Wählern suchen. In Bern wird es Wahlplakate von uns geben und in den Wahlunterlagen zu den Grossratswahlen im Kanton Bern werden Flyer von uns dabei sein.

Die Fragen wurden per eMail gestellt.

Dieser Artikel ist auch bei NZZ Online erschienen.