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Journal21: Gegenmodell zum Mainstream-Journalismus

Posted: Oktober 29th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized |

Heiner Hug, Initiator von Journal21

Heiner Hug, Initiator von Journal21

Heiner Hug, Initiator von Journal21, engagiert sich für Qualitätsjournalismus

Internetnutzer haben sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, dass Nachrichten und Informationsformate kostenfrei und rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Doch wie steht es um die Qualität dieser Beiträge?

Eine qualitativ hochwertige redaktionelle Arbeit bedarf auch entsprechender Ressourcen. So ist die Frage nach der Sicherung der Qualität dieser Inhalte eng verbunden mit jener nach der Finanzierung von Redaktionen und Technik. Gerade kleinen Formaten, die ausschliesslich im Web publizieren, bleibt oft nur die Finanzierung über Werbung. Modelle, bei denen Nutzer für den Zugang zu ganzen Internetzeitungen oder für einzelne Beiträge zahlen, sind wenig etabliert und gelten auch als schwer umsetzbar. Unabhängige Nachrichtenportale haben es daher schwer.

Ein Gegenmodell aus Leidenschaft ist die Internetzeitung Journal21, welche bewusst auch auf die finanzielle Unabhängigkeit ihrer Autoren setzt. Initiator des Projekts ist der bekannte Journalist und ehemalige „Tagesschau“-Chef Heiner Hug. Insgesamt war er 38 Jahre lang für das Schweizer Fernsehen tätig und gilt als ausgewiesener Medienkenner.

Im September ging das Portal online. politReport hat Heiner Hug dazu befragt.

politReport: Sie haben Journal21 initiiert und 80 etablierte Journalisten für Ihr Projekt gewinnen können. Was ist Ihr Antrieb, Ihre Motivation? Sehen Sie sich als Verleger, Herr Hug?
Heiner Hug: Wenn einer ein richtiger Journalist ist, dann bleibt er es ein Leben lang. Wenn einer das journalistische Feuer in sich hat, dann erlischt das nicht mit 60, 62 oder 65 Jahren. Wie alle Kader beim Schweizer Fernsehen bin ich freiwillig mit 62 in Pension gegangen. Ich habe aber noch immer dieses Feuer in mir. Der Journalismus fasziniert mich nach wie vor. Ich habe nach meiner Pensionierung viele, viele Kolleginnen, Kollegen und Freunde getroffen, die gleich denken und Lust haben, weiter journalistisch tätig zu sein. So entstand die Idee dieses Journal21. Unser Geschäftsmodell ist kein Geschäft. Keiner verdient einen Cent, alle arbeiten aus Lust und Freude. Wir sind alles gestandene Journalisten (auch mehrere jüngere sind dabei). Wir waren Chefredaktoren, Ressortleiter, Korrespondenten, verantwortliche Redaktoren. Nein, als Verleger sehe ich mich nicht. Wir wollen und können keine Konkurrenz zu den bestehenden Medien sein. Aber wir möchten dereinst als wichtige Stimme wahrgenommen werden.

pR: Wen möchten Sie mit Ihrem Angebot erreichen? Ist die Schweizer Nische zwischen NZZ und Echo der Zeit im Internet nicht etwas zu klein?
Hug: Wir möchten ein Publikum erreichen, das sich nicht mit Kurzfutter begnügt, das die ewig gleichen Themen satt hat. Wir wollen nicht im Mainstream schwimmen. Wir richten uns an ein wissensbegieriges Publikum, das auch längere Texte lesen will. Wir wollen Analysen, Kommentare und Meinungen bringen. Die klassischen Medien, auch die erwähnten, tun das immer weniger. Alles wird kürzer und kürzer, alles wird „mainstreamiger“. Wir wollen auch ein Forum, sein: Politiker aller Couleur, Kunstschaffende, Wissenschafter, Wirtschaftsleute haben bei uns die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen; sie müssen sich nicht auf elfeinhalb Zeilen beschränken. Wir sind sehr gut gestartet, was darauf hindeutet, dass da eine wichtige Nische zu bearbeiten ist.

pR:Um Ihr Angebot Journal21 nachhaltig zu betreiben werden Sie wahrscheinlich damit auch Geld verdienen müssen. Welche Strategie verfolgen Sie hier?
Hug: Das Erstaunliche ist: Wir denken nicht ans Geld. Unser Auftritt wird von unserem Enthusiasmus getragen. Dieser würde sicher leiden, wenn Geld ins Spiel käme. Natürlich gibt es immer Leute, die Geld verdienen wollen – aber die machen nicht mit bei uns. Und es gibt solche, die aus Lust und Freude arbeiten – und die sind bei uns. Auch unseren Gastkommentatoren sagen wir: „Keiner von uns verdient einen Cent, auch ihre Kolumne werden wir nicht bezahlen. Machen Sie trotzdem mit?“ Und sie machen mit. Wenn wir vielleicht bald einmal einige wenige Reklame-Stücke schalten, dann um unseren Betrieb zu finanzieren, Webmasterin, Grafikerin, Bildrechte etc. Aber wir selbst bleiben dabei: Keiner von uns verdient etwas.

politReport dankt Herrn Hug für das Gespräch.

Der Beitrag ist auch bei der NZZ Online erschienen.



One Comment on “Journal21: Gegenmodell zum Mainstream-Journalismus”

  1. 1 Martin said at 13:18 on Oktober 30th, 2010:

    Gegenmodell? Mainstream ist zumindest, dass man die Inhalte nicht per RSS-Volltext beziehen kann und auf Leserkommentare kaum je geantwortet wird … erfreulich ist immerhin, dass man Kommentare ohne Anmeldung erstellen kann – andererseits fehlt die wichtige Funktion der Benachrichtigung bei neuen Kommentaren, so dass eine Diskussion überhaupt erst entstehen kann (wie hier übrigens auch; die Wahrscheinlichkeit ist deshalb klein, dass ich eine etwaige Antwort an dieser Stelle jemals lesen werde).


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