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Die Bundesratskandidaten im Spiegel der Medien

Posted: September 8th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized |

politReport evaluiert die Medienpräsenz der einzelnen Kandidaten

Bundesratswahlen sind ein mediales Spektakel und werden entsprechend eng von der Öffentlichkeit begleitet. Bereits die Demissionserklärungen von Moritz Leuenberger und Hans-Rudolf Merz waren medienwirksam inszeniert. In der Zeit vor der Wahl stehen nun die einzelnen Kandidaten im besonderen Mittelpunkt des Medieninteresses.

politReport erhebt mit Hilfe der Medienbeobachtung blueReport die quantitative Medienpräsenz der einzelnen Kandidaten im Web. Tagesaktuell werden dafür insgesamt 18′000 redaktionell geprüfte Online-Medien ausgewertet. Hierbei zeigt sich deutlich eine Tendenz: Die Einzelkandidaturen werden immer enger von den Medien begleitet. Dabei bekommen die Bundesratswahlen in der medialen Rezeption zunehmend den Charakter von direkten Personalwahlen.

Regionalmedien setzen auf Kandidaten vor Ort
Aus Sicht des renommierten Politikberaters Iwan Rickenbacher nimmt auch die grosse und regional zerstreute Auswahl der Kandidaten Einfluss auf die Medienpräsenz des Einzelnen. Viele Regionalmedien kommentieren “ihre” Kandidaten sehr nahe und gleichermassen intensiv. “Diese Nahsicht fördert Aspekte zutage, die dann auch in den überregionalen Medien aufgegriffen und verarbeitet werden. Führungsergebnisse in kommunalen Gremien, Akzeptanz in kantonalen Parlamenten, persönliche Leistungen im nahen Lebensraum etc.” Ein Phänomen, das sich so auch in den Online-Medien widerspiegelt.

Die Kandidatur von Eva Herzog erfuhr eine starke mediale Resonanz. Offiziell nominiert für die Bundesratswahlen wurde die SP-Regierungsrätin von ihrer Fraktion nicht.

Die Kandidatur von Eva Herzog erfuhr eine starke mediale Resonanz. Offiziell nominiert für die Bundesratswahlen wurde die SP-Regierungsrätin von ihrer Fraktion nicht.

Gerade Aussenseiter-Kandidaturen medial präsent
Dies schien besonders Kandidaten ohne grosse realistische Erfolgschancen zu Gute zu kommen. Ein Beispiel dafür war das starke Interesse an der Nomination von Eva Herzog. Für Rickenbacher passt dies ins Konzept der medialen Wahrnehmung der Kandidaten. Gemäss dem Politikexperten kamen ihr verschiedene medienwirksame und medienbeinflussende Faktoren zu Gute. Die SP-Regierungsrätin habe von sich aus erklärt, dass sie das Amt der Bundesrätin bekleiden möchte und sich dabei nahezu keine Bedenkzeit erbeten. Sie stamme zudem aus der Nordwestschweiz, einer Region, die glaube, in der restlichen Schweiz zu wenig wahrgenommen zu werden, und zudem aus der Stadt Basel, in der die bedeutsamen Schweizer Medien stark vertreten seien.

Einfluss der Medien auf Wahl indirekt
Auf den tatsächlichen Ausgang der Wahl kann auch eine sehr starke Medienpräsenz nur indirekten Einfluss haben. Sie wird nichts daran ändern, dass beispielsweise zwei Kandidaturen aus dem gleichen Kanton wenig erfolgsversprechend sind. “Zu den unausgesprochenen Regeln gilt nach wie vor, dass die Schweiz in ihrer Diversität in der obersten Landesregierung abgebildet werden sollte,” betont Iwan Rickenbacher die Grenzen des Einflusses der Medien.

Dennoch sind auch Parlamentarier nicht frei von medialem Einfluss. Gelingt es einem Kandidaten, sich mit seinen Themen prominent in den Medien zu platzieren und erfährt so Unterstützung in der breiten Masse und von der Wählerschaft, wird dies auch den stimmberechtigten Parlamentariern nicht gleichgültig sein.

Der Artikel ist auch bei der NZZ Online erschienen.




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