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Veranstaltungshinweis - YFEE Veranstaltung mit Doris Fiala am 23. September

Posted: August 19th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | No Comments »

Nationalrätin Doris Fiala

Nationalrätin Doris Fiala

Am 23. September 2010 spricht die Nationalrätin Doris Fiala auf einer Veranstaltung des Netzwerks Young Female Entrepreneurs & Executives zum Thema:
Wie sich Frauen erfolgreich positionieren.

Einlass: 18.00 Uhr
Beginn des Vortrags: 18.30 Uhr (der Vortrag wird in deutscher Sprache gehalten)
Veranstaltungsort: Brasserie Lipp, Zürich

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website des YFEE.

Interessierte Geschäftsfrauen sind zur Teilnahme herzlich eingeladen.



Rücktritts-Sommertheater

Posted: August 13th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | No Comments »

merz_leuenberger_171985281281691592Zur Medienresonanz des Rücktrittes von Hans-Rudolf Merz.

Seit dem Rücktritt von Moritz Leuenberger am 9. Juli diesen Jahres hielten die Spekulationen an, wann Hans-Rudolf Merz ihm folgen werde. Vergangene Woche kündigte er seine Demission per Anfang Oktober an.

Dem Rücktritt waren primär Diskussionen über die Sitzverteilung unter den Parteien im Bundesrat und parteipolitischer Erwägungen voraus gegangen. Gerade die FDP wurde im Zugzwang gesehen. Der Wunsch und das Bestreben nach einem gemeinsamen Rücktritt von Merz und Leuenberger waren bereits im Frühjahr diesen Jahres gescheitert. Wie freiwillig oder strategisch der jetzige Zeitpunkt gewählt wurde lässt sich nur erahnen.

Online-Medien und die Social Media reagieren sehr unterschiedlich

Die mediale Resonanz allerdings lässt eine gewisse Brisanz erahnen. Die grafische Auswertung zeigt, dass Merz durch seine Ankündigungen im Vergleich zum Rücktritt von Leuenberger deutlich mehr mediale Resonanz erfuhr.

Aktuelle Medienpräsenz von Moritz Leuenberger (schwarz) und Hans- Rudolf Merz (rot) in den deutschsprachigen Online-Medien im Vergleich.

Aktuelle Medienpräsenz von Moritz Leuenberger (schwarz) und Hans- Rudolf Merz (rot) in den deutschsprachigen Online-Medien im Vergleich.

Leuenberger populärer in der neuen Medienwelt
In den Social Media wie Blogs und dem Microblogging-Dienst Twitter zeigt sich dagegen eine höhere Präsenz von Bundesrat Leuenberger.

Präsenz von Moritz Leuenberger (schwarz) und Hans-Rudolf Merz in Blogs und bei Twitter

Präsenz von Moritz Leuenberger (schwarz) und Hans-Rudolf Merz in Blogs und bei Twitter.

Eine Erklärung findet sich in der Natur der verschiedenen Online-Mediengattungen. Twitterer und Polit-Blogger reagieren schneller und intensiver auf überraschende Ereignisse. Ihnen kommt die Geschwindigkeit der Social Media und Möglichkeit zur netzwerkartigen Verbreitung einer «Neuigkeit» zu Gute. Der Rücktritt Leuenbergers und die Einigung auf einen gemeinsamen Wahltermin am 10. August hatten diesen Neuigkeitswert.

Grundsätzliche und komplexere Kritik finden weiterhin eher in den Online-Medien klassischer Medien-Konzerne statt. Wie steht es etwa um die Kollegialität im Bundesrat? Wie sehr darf sich ein einzelner Bundesrat medial profilieren? Auch diese Fragen beschäftigten spätestens seit letzter Woche die eidgenössischen Online-Medien.

Aufmerksamkeit versus Kollegialität
Der Berner Politikberater Andreas Hugi glaubt, dass diese Form des inszenierten Einzelrücktrittes angesichts der medialisierten Politik zunehmen wird. «In einer Kollegialregierung schweizerischer Prägung ist der inszenierte Einzelrücktritt die einzige Chance für einen Bundesrat, beim Rücktritt die ganze mediale Aufmerksamkeit auf sich und seine Leistungen zu richten. Rekordverdächtige vier ausserordentliche Einzelrücktritte werden in dieser Legislatur zu verzeichnen sein.» Eine Entwicklung die sowohl von den Medien selbst aber auch von Parlamentariern kritisch gesehen wird.

«Der äusserst starke politische und mediale Druck auf Bundesrat Leuenberger, seinen Rücktrittstermin auf die Herbstsession vorzuverschieben, ist ein Zeichen des zunehmenden Missfallens der Parlamentarier und der Parteien mit dem Gremium Gesamtbundesrat,» meint Hugi dazu. «Man möchte den Bundesrat als Team sehen, welches zusammen arbeitet und zusammen seine Amtszeit beendet.»

Ob ein organisierter gemeinsamer Rücktritt per Gesetz verordnet werden kann, ist noch fraglich, wird aber diskutiert. Die Wahl neuer Bundesräte in sinnvollen Tranchen war früher schliesslich auch Konsens.

Dieser Artikel ist auch bei der NZZ Online erschienen.



Die Beantwortungsmaschine

Posted: August 9th, 2010 | Autor: Ronnie Grob | Filed under: Uncategorized | No Comments »

DRAMA2005074-0225Die Bundespressekonferenz in Berlin im Mai 2010.

Kann das funktionieren? Hingehen, beobachten, und dann mehr als 2000 Wörter / 14′000 Zeichen aufschreiben und nur online veröffentlichen?

Insgesamt vier Tage war ich im Mai in der Bundespressekonferenz – der Plan war, dass der daraus resultierende Text im “journalist” gedruckt wird. Das wird er nun nicht, weil er nicht recht reinpasst in die politikfreie Sommerzeit und sich im Oktober niemand mehr für den Mai interessiert. So weit, so einleuchtend. Ist das schade? Ja, denn ich hätte damit gerne die vielen, vielen Offliner unter den Journalisten erreicht. Aber es gibt ja das Internet:

Die Beantwortungsmaschine
Mittwoch, 19. Mai 2010

Am Osteingang der Bundespressekonferenz sehe ich den Portier ein offenbar bekanntes Gesicht herzlich begrüssen, mich aber blickt er finster an, als ich ihm mehrfach sage, dass ich zur Bundespressekonferenz möchte. “Ja, aber an WELCHE Konferenz denn?”, will er wissen. Erst als ich die ausgedruckten Akkreditierungsunterlagen finde, hellt sich sein Gesicht etwas auf und er führt mich zur Büroleiterin Roswitha Kreutzmann. Dass ich fünf Minuten zuvor problemlos durch den Westeingang hineingekommen bin und mir bereits einen Überblick verschafft habe, sage ich ihm nicht. Mit dem Segen von Frau Kreutzmann darf ich mich in eine bereits eröffnete Konferenz setzen. Aber nur, wenn ich die Mütze ausziehe und keine Fragen stelle.

Gernot Heller, Reuters, will wissen, was hinter der Eilbedürftigkeit zum Rettungsschirm steckt, warum der Bundesrat Sondersitzungen einlegen soll, ob es denn Marktunsicherheiten gebe. Eine Frage zum Fall Jemen: “Gibt es einen neuen Stand zu den Geiseln?” Sprecher Peschke wiederholt, was Aussenminister Westerwelle am Abend zuvor schon sagte. Nein, zu den weiteren vermissten Geiseln gebe es keine neuen Informationen. Er spricht leise und gedämpft. Das Mitgefühl mit den Entführten wird so spürbar. Weitere Nachfragen werden keine gestellt.

Nach der Auflösung der Konferenz bittet Ulrich Wilhelm, Regierungssprecher der Bundesregierung, eine Schulklasse und eine Gruppe internationaler Blogger, die zuvor als Gäste die hintersten Reihen besetzten, nach vorne zu einem informellen Gespräch “unter drei”. Er stellt auf sympathische, kurzweilige und informative Art seine Tätigkeit im Zusammenhang mit der Institution Bundespressekonferenz vor. Beantwortet Fragen eines Schülers zur Dauer des Zivildiensts und Fragen eines nigerianischen Bloggers zu deutschen Firmen in seinem Land. Gibt seinem Erstaunen Ausdruck, dass heute keine Frage zum Atomprogramm im Iran gefallen sei. Und erklärt, das hänge mit der Ausdünnung der Redaktionen zusammen. Nicht jede Redaktion habe noch Spezialisten für jedes Themengebiet – nur die Grossen: Spiegel, Süddeutsche, FAZ und die öffentlich-rechtlichen.

Die Regierung macht den Eindruck einer gut geölten, nahezu perfekt funktionierenden Maschine in eigener Sache. Eine Maschine, die auch mehrteilige Fragen ungerührt aufnimmt, sie bearbeitet und dann ernsthaft beantwortet – natürlich ohne im Idealfall je in Bedrängnis zu kommen. In wenigen Sekunden, als wäre vom Staat nichts anderes zu erwarten. Nichts, wofür es nicht eine vernünftige Erklärung gäbe. Doch: Ist das überhaupt gewünscht von Medien, die vermehrt auf Politzirkus setzen? “Jede Bemerkung zur Sache wird sofort für oder gegen Personen gewertet, am liebsten gegen die Führung”, sagte der abtretende Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, kürzlich dem “Spiegel”.

Finger wie Raketen
Donnerstag, 20. Mai 2010

Fünf TV-Kameras, elf Fotografen und rund dreissig Journalisten erwarten die Familienministerin, die je nach Zeit und Medium Köhler oder Schröder heisst. Heute heisst sie Schröder, Kristina, Dr. Sie betritt, begleitet von den Experten Rürup und Wille, den Raum um 12:01 Uhr, was von den seit Minuten am Podium wartenden Fotografen mit begeistertem Klicken aufgenommen wird. “Frau Minister”, “zu uns”, “nochmal rüber bitte”, rufen sie ihr zu. Um 12:02 wünscht Sitzungsleiterin Antje Sirleschtov vom “Tagesspiegel” einen schönen guten Tag. Die Fotografen nehmen Abstand und verziehen sich in die erste und zweite der mittleren Stuhlreihen, nicht ohne mit dem Klicken aufzuhören.

“Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass wir unsere Probleme immer mit mehr Geld lösen”, sagt die Ministerin, so ist es am nächsten Tag in der “Süddeutschen Zeitung” nachzulesen. Eine Viertelstunde lang erläutert sie ihren Entwurf zur Familienpflegezeit. Beim Erklären zeigt sie immer wieder den ausgefahrenen, aber angewinkelten Zeigefinger, wie das von Aussenminister Westerwelle bekannt ist (wobei dieser dazu jeweils den Arm im Takt der Argumente hoch und runter bewegt). Sobald Schröder den Finger mal streckt oder andere Gesten macht, geht die Kadenz der Fotoklicks hoch.

Zur Familienpflegezeit berichten dann die meisten Zeitungen nichts, einen kurzen Artikel dazu finde ich in der “Financial Times Deutschland”. Auf Seite 6 der “Süddeutschen Zeitung” ist kein Foto von Schröder abgedruckt, sondern eine Zeichnung, die sie mit etwas naivem Blick, grossen Lippen und Knopfohrringen zeigt. Eingeklemmt zwischen Daumen und Zeigefinger ihrer an den Knöcheln aufeinandertreffenden Fäuste ist ein kleiner Buggy, auf dem ein Männlein ohne Nase sitzt, der einen ungewöhnlich gemusterten Pulli trägt.

Daneben steht ein ausführlicher Artikel mit dem Titel “Das Küken macht Flugversuche”. Um die Familienpflegezeit geht es darin nur am Rande, dem Autor Stefan Braun ist die “überbordende Gestik” aufgefallen – beinahe jeder ihrer Sätze werde von “mächtigen Handbewegungen” begleitet, “wie ein Teenager, der, weil er besonders wichtig sein will, seine Eltern nachmacht”. Und so geht es weiter: “Schröder liefert wenige altkluge Sätze, aber sehr viele altkluge Gesten. Sehr lange ausgestreckte Zeigefinger, sehr weit ausgestreckte Arme, sehr resolut wegschiebende Handflächen. Alles Gesten, die immer zwei Nummern zu groß sind gemessen an ihrer zierlichen Statur und in ihrer derzeitigen politischen Bedeutung. Es sind diese Momente, die einen daran erinnern, dass die Bundestagsabgeordnete doch sehr früh und sehr schnell Karriere gemacht hat.”

So kann man das offenbar sehen. Auf mich wirkte die Ministerin eher so, als wolle sie nichts mehr als natürlich sein, als wolle sie nicht nach Anleitung ihrer PR-Leute funktionieren, als wolle sie sich nicht verbiegen für die Fotografen oder Journalisten. Doch offenbar erwarten die das von ihr. In einem “Spiegel”-Artikel, der einen Besuch von Schröder in einer Kindertagesstätte dokumentiert, wird ein Fotograf mit den Worten ”Jetzt hat sie doch tatsächlich keinen einzigen Kinderkopf getätschelt” zitiert. Und was, wenn sie hätte?

Ist es der Politiker, der maßlos eitel, populistisch und nicht sachorientiert ist? Oder wird er vom Journalist nur so dargestellt? Was für einen Mehrwert haben die unzähligen Bilder von Schröder an dieser Pressekonferenz für den Medienkonsumenten? Ist es nicht die Gier der Presse nach einem möglichen Fehltritt, nach einer unvorteilhaften Pose, nach einem überflüssigen Wort, die den Politiker zu einer unnahbaren, scheinbar seelenlosen Rhetorikmaschine macht? Der ihn alles Eigene, Persönliche, jede menschliche Unsicherheit tief in sich verschliessen lässt? Ist es nicht inkonsequent und auch unfair, nach markigen Worten zu gieren, nur um diese, wenn sie denn fallen, auf das Schärfste zu verurteilen? Die in der Spitzenpolitik gewählten Worte sind unter ständiger Beobachtung der Regierungsmaschine und der Medienmaschine, was zu Auswüchsen führt, von denen man nicht weiß, ob man sie verlachen oder beweinen soll. Man kann es doch nur als Irrsinn bezeichnen, wenn Kanzlerin Merkel den Rücktritt von Bundespräsident Köhler “auf das Allerhärteste” bedauert, wie sie das Ende Mai getan hat.

Neben mir kämpft eine Kamerafrau mit angestrengter Miene mit der Arretierung des Stativs. Zwei Journalisten stellen je eine Frage und verlassen dann gemeinsam den Raum. Dann kniet kommentarlos ein Mann vor mich nieder, das Mikrofon seiner Kamera weist ihn aus als Mitarbeiter von “Das Erste”. Er filmt ein paar Sekunden an mir vorbei in die hinterste Besucherreihe, aus der zuletzt gemurmelte Dikussionen zu vernehmen waren. Vorne spricht Professor Dr. Dr. h.c. Bert Rürup von betriebsspezifischem Humankapital, von Wertkonten und der Kreditausfallversicherung. Alle anwesenden Journalisten schreiben auf einem Spiralblock. Neben einem Kameramann bin der einzige mit Laptop im Saal. In den vier Tagen, in denen ich die Bundespressekonferenz besuche, sehe ich nicht einen Journalisten mit einem Laptop.

Den ganzen Artikel gibt es im Blog von Ronnie Grob.