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Politik über den Röschtigraben hinweg

Posted: März 24th, 2011 | Autor: enders | Filed under: Uncategorized | Tags: , , , | No Comments »

“Die Schweiz steht in einem Superwahljahr. Deshalb startet Newsnetz den Politblog: das Forum, in dem alle über alle brisanten Politfragen debattieren können. Über den Röschtigraben hinweg, in Deutsch und Französisch.” Mit diesen Worten gab Michael Marti, stellvertretender Chefredaktor von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, den Start des Politblog bekannt. Wir haben Herrn Marti aus diesem Grund um ein kurzes Interview gebeten.

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Michael Marti, 44, stellvertretender Chefredaktor von Newsnetz, betreut den Politblog.

Herr Marti, der Politblog ist ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Redaktionen. Wer ist auf die Idee gekommen und wie war der Weg zu einem medienübergreifenden Projekt?
Seit Dezember 2010 sammeln die beiden Bundeshausredaktionen von «Der Bund» und «Tages-Anzeiger» sowie von «24 heures» und «Tribune de Genève» Erfahrungen mit einer lockeren Zusammenarbeit und einem Austausch über die Sprachgrenzen hinweg. Newsnetz, das gemeinsame Newsportal von «Basler Zeitung», «Berner Zeitung», «Der Bund» und «Tages-Anzeiger», brachte die Idee ein, diesem Projekt einen Auftritt im Internet zu ermöglichen: mit dem ersten zweisprachigen Politblog der Schweiz. Newsnetz koordiniert den Blog. Und Newsnetz-Autoren schreiben gemeinsam mit ihren Kollegen aus den erwähnten Print-Redaktionen Postings.

Der Blog ist zweisprachig. Kommen bereits bilinguale Diskussionen zustande?
Tatsächlich publizieren wir alle Postings zweisprachig. Die User können in Deutsch oder in Französisch kommentieren – was bereits jetzt geschieht. Wir werden in den nächsten Wochen mit Postings, die explizit das Röschtigraben-Phänomen aus verschiedenster Perspektive beleuchten, die sprachgrenzenübergreifenden Diskussionen intensivieren.

Greifen die Diskussionen und der Austausch aus dem Blog auch auf andere soziale Netzwerke über? Sind Sie und ihre Leserinnen und Leser auch bei Facebook und Twitter aktiv?
Unsere welschen Kollegen haben für den Politblog eine Facebook-Site eingerichtet. Auf Twitter wird der Politblog rege empfohlen und diskutiert – dabei sind wir mit dem Angebot erst zwei Wochen online. Gerade für einen Blog sind diese Kanäle von grosser Bedeutung. Deshalb freuen wir uns sehr über diese Vernetzung.

Sie möchten auch jungen Politikerinnen und Politikern eine Plattform bieten. Sollen diese Ihre Wahlziele auch zum Inhalt der Diskussion zwischen den Leserinnen und Lesern machen?
Aber sicher. Wir stellen jeden Montag einem Politiker oder einer Politikerin eine Carte Blanche als Plattform zu Verfügung. Auch jungen natürlich. Und ja, diese Gastautorinnen und Gastautoren sollen sich auch mit ihren Wahlversprechen der kritischen Blog-Community stellen. Das gehört dazu in einem Wahljahr.

Vielen Dank für das Interview.

Der Politblog ist erreichbar unter:
politblog.24heures.ch
politblog.tdg.ch
politblog.tagesanzeiger.ch
politblog.derbund.ch
politblog.bernerzeitung.ch
politblog.bazonline.ch.



Kehrseite des Fortschritts

Posted: März 18th, 2011 | Autor: Marie Bartels | Filed under: Uncategorized | No Comments »

Alltag und Risikowahrnehmung hochmoderner Gesellschaften
«Wir lernen in diesen Tagen, dass derartige Katastrophen sogar in einem Hochtechnologieland vergleichbar mit dem unseren auftreten können.» Wie oft hörte man diesen Satz seit Freitag, immer wieder in Abgrenzung zu den Vorkommnissen von Tschernobyl. Doch wird nicht gerade erkennbar, dass Japan nicht trotz des hohen technologischen Standards sondern gerade seinetwegen so verletzlich ist?

Facebook funktioniert, aber eine Flucht scheint unmöglich
Tokyo, eine hochmoderne Megacity, von der wir nun hören, es könne Wochen dauern, sie zu evakuieren. Länger, wenn Bahnen aufgrund von Stromengpässen stillstehen und Autos Benzin fehlt.
Nur weil Japan so weit entwickelt ist, können so viele Menschen auf so engem Raum leben. Erst leistungsfähige Versorgungsinfrastrukturen und architektonische Meisterleistungen erlauben diese Konzentration, die dazu führt, dass man zwar immer noch über Facebook seine Ängste mit der ganzen Welt teilen kann, aber eine Flucht unmöglich ist, weil sie nicht Teil der Planungen war. Es ist eine künstliche Welt, die ironischerweise gegen das Naturereignis Erdbeben gut gewappnet zu sein scheint, nun jedoch von einer derjenigen Hochtechnologien bedroht ist, auf denen ihre Lebensqualität gründet. Und dass Reaktoren verrücktspielen, hat nicht nur die drohende Verstrahlung zur Folge, sondern auch Stromengpässe, die die Bewältigung der Probleme behindern, weil Ersatzsysteme Energie benötigen. Die Kühlung der Brennstäbe wird zudem durch weggespülte Transportwege erschwert, schweres Gerät kommt nicht durch. Die Menschen beginnen mit Hamsterkäufen, weil sie keine Vorräte im Haus haben, sondern den 24-Supermarkt um die Ecke, der jetzt nicht mehr beliefert wird, wiederum weil Strom fehlt, wiederum weil Lieferungen ihn nicht erreichen.

Vernetzung und Abhängigkeiten
Alles ist zunehmend von allem abhängig. Vernetzung ist chic. Kommunikativ, technologisch, wirtschaftlich, auf globaler Ebene. Doch ein Netz ermöglicht nicht nur Beteiligung, fängt nicht nur auf. Vernetzung führt auch dazu, dass ein Schock an ganz anderer Stelle Folgen haben kann. Oft wird erst dann bemerkbar, womit man sich verbündet hatte. Das war so im Falle der Finanzkrise, nun schauen wir wieder gebannt auf die Entwicklung der Pensionsfonds, weil sich der Zusammenbruch der japanischen Halbleiterproduktion in Zeiten der Just-in-Time-Lieferungen möglicherweise auch dort niederschlägt. Wenn die Behörden in Japan den hungrigen, durstigen Menschen zwischen all den Trümmern nun sagen, sie sollen zu Hause bleiben, ihre Wäsche abnehmen (!) und nur abgefülltes Wasser trinken, dann ist das nicht einfach nur absurd, sondern symptomatisch für ebendiese Vernetzung. Ausfall oder Abwesenheit alltäglicher Güter und Dienstleistungen ist selbst in Notfallplänen einfach nicht mehr vorgesehen, es ist aus unserem Denken verschwunden.

Die Schweizer Online-Medien berichten über die Lebensmittelknappheit (blau) in Japan aufgrund der Katastrophe. Zunehmend wird auch eine mögliche Wirtschafts- und Finanzkrise (rot) zum Teil der Berichterstattung.

Die Schweizer Online-Medien berichten über die Lebensmittelknappheit (blau) in Japan aufgrund der Katastrophe. Zunehmend wird auch eine mögliche Wirtschafts- und Finanzkrise (rot) zum Teil der Berichterstattung.

Vernetzung ist kein Allheilmittel sondern schafft komplexe Risiken, neue Technologien bringen nicht nur Wohlstand und Bequemlichkeit sondern auch die Möglichkeit des Verlustes ebendieser. Das Scheitern eines Systems ist umso dramatischer, je mehr man auf seine Unverletzlichkeit gebaut hat. Viele der katastrophalen Folgen des ursprünglichen Naturereignisses Erdbeben wären in weniger vernetzten, weniger modernen Gesellschaftsstrukturen nie eingetreten. Bestimmte Verwundbarkeiten kreieren wir selbst. Und sei es durch unsere Einkaufsgewohnheiten.

Der Artikel ist auch bei NZZ Online erschienen.



Schweizer Parteien im Social Web

Posted: Februar 8th, 2011 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | 5 Comments »

Vorsichtige Schritte zur digitalen Vernetzung
Fast 2.5 Mio Schweizer sind auf Facebook, wie die neusten Auswertungen zeigen. Unternehmen und Verbände nutzen die Möglichkeiten des Social Webs selbstverständlich für die eigene PR und Kundenkommunikation. Auch viele Schweizer Politiker präsentieren sich bei Facebook & Co. halbprivat, um für ihre politischen Ziele zu werben. Ad hoc wird jetzt zu Beginn des Wahljahres 2011 auch noch das eine oder andere Profil angelegt. Doch wie steht es um den Gesamtauftritt der Parteien?
Am 23. Oktober sind Nationalratswahlen, in Bern wird noch im Februar der Ständeratssitz von Simonetta Sommaruga neu besetzt. Die Kommunikationsstrategien der Parteien liegen schon lange fest. Dabei spielt auch die Nutzung digitaler Netzwerke wie Facebook, Twitter und Youtube eine wichtige Rolle. Zumindest theoretisch, die Umsetzung wirkt bei vielen Parteien noch zaghaft und umständlich.

Fans der Schweizer Parteien bei Facebook.

Fans der Schweizer Parteien bei Facebook. Visualisierung: Rolf Raess

Sozialdemokraten haben stärksten Auftritt
Der naheliegende Verdacht, dass die Affinität zu den Social Media im linken und liberalen politischen Segment höher ist als bei konservativen Parteien stimmt nur bedingt. Die Medienbeobachtung blueReport hat den stärksten Auftritt 2.0 bei den Sozialdemokraten (SP) ermittelt. Rein quantitativ kommt die Partei nicht nur auf die insgesamt höchste Anzahl an Followern und Fans, das Profil der Partei wie auch die einzelner SP-Politiker sind zudem sehr authentisch. So fällt zum Beispiel der Juso-Jungstar Cédric Wermuth mit 3′841 Facebook-Freunden auf, der seine Parteikollegin und Ständeratskandidatin Ursula Wyss mit lediglich 768 «Likers» geradezu alt dastehen lässt. Vielleicht liegt es daran, dass sich Facebook im Stöckli noch nicht wirklich Einzug gehalten hat.
Auch die konservativen Parteien präsentieren sich in den entsprechenden Netzwerken, nutzen diese aber kaum um mit Anhängern im Dialog zu kommunizieren. Im Twitter-Account der CVP finden sich beispielsweise lediglich Hinwiese auf Medienmitteilungen der Partei.

In der Kommunikationsstrategie der Grünen auf Bundesebene scheint der Faktor Web 2.0 noch neu zu sein. Auch wenn viele grüne Politiker wie beispielsweise Pierino Cerlianials oder Fabien Fivaz als Einzelpersonen aktiv twittern, hat der Account der Partei nur wenige Abonnenten. Voraussichtlich im März wird es eine neue Facebook-Page der Grünen geben, welche die aktuelle Gruppe mit ca. 600 Mitgliedern ersetzen soll.

Parteien starten Testballone
Viele Aktivitäten der Schweizer Parteien tragen zum aktuellen Zeitpunkt noch einen Testcharakter. Erst in diesem Jahr lancierten die Grünen ihren Youtube-Channel. Ein Beispiel für eine Webstrategie nach dem Prinzip von trial and error dagegen ist der Twitter-Account von Toni Brunner. Mit nur wenigen unmotivierten Tweets hauptsächlich aus 2009 brachte er es auf immerhin über 400 Follower.

Im Web 2.0 gibt es keine Monologe
Kommunikation im Social Web bedeutet für alle, die diese Art von neuen Medien professionell nutzen, einen gewissen Grad an Machtverlust über die transportierten Informationen. Inhalte werden nicht mehr nur kommuniziert, sondern öffentlich auch diskutiert. Im Zweifel werden Postionen innerhalb weniger Minuten und Sekunden in Frage gestellt. Die Hierarchie zwischen jenen, die Inhalte verbreiten und jenen, die diese empfangen, ist im Social Web nicht mehr existent. Kritik und Widerspruch mögen Parteien vielleicht auch von ihren eigenen Sympathisanten gewöhnt sein. Der öffentliche Charakter ist neu.

Profile, die sich dem Dialog entziehen wirken zudem wenig authentisch. Der Gang zur PR-Agentur allein reicht daher nicht aus. Die SP Schweiz hat nicht nur die grösste Facebook-Gruppe unter den Parteien, sondern ist gleichermassen deren Best-Practise Beispiel. Auf Kommentare wird reagiert, Informationen werden weiter gegeben und der Raum für Debatten damit geschaffen.

Potential ist immens
Soziale Netzwerke sind für alle Parteien trotz erster, auch erfolgreicher, Schritte in erster Linie ungenutztes Potential. Rund 10% aller SP-Parteimitglieder sind auch digital bei Facebook, Twitter und Youtube mit ihrer Partei vernetzt. Bei der FDP sind es nur knapp 2% und bei der konservativen SVP 3%. Das Potential zum digitalen politischen Diskurs ist nicht nur gross, sondern scheint auch gewünscht. Dies zeigt die grosse Anzahl der Diskussionsgruppen besonders im Zusammenhang mit politisch brisanten Initiativen und Abstimmungen.Alle Zahlen und Fakten zu den Profilen der Parteien im Social Web finden sich im Blog der Medienbeobachtung blueReport.

Der Artikel ist auch bei der NZZ Online erschienen.



Der deutsche Eidgenosse

Posted: Dezember 8th, 2010 | Autor: C. Gregor Landwehr | Filed under: Uncategorized | No Comments »

Christian von Stetten will das deutsche Steuersystem vereinfachen

Christian von Stetten

Christian von Stetten

«Die Schweiz hat ein einfaches Steuerrecht was die Unternehmenssteuern angeht», sagt der Bundestagsabgeordnete Christian Freiherr von Stetten. Viele Unternehmen würden auch aus diesem Grund Deutschland Richtung Schweiz verlassen. Der Abgeordnete mit der deutschen und Schweizer Staatsbürgerschaft will auch aus diesem Grund das deutsche Steuerrecht vereinfachen. Ein Steuervereinfachungsgesetz, das seinen Namen auch verdiene, wünscht sich der Abgeordnete – und ist dabei schon mit dem Finanzminister aneinander geraten. Denn dieser fürchtet zu hohe Steuerausfälle. Was an Vorschlägen aus dem Finanzministerium nach aussen drang, ging von Stetten, der auch Mitglied im Finanzausschuss ist, nicht weit genug.

«Es ist klar, dass es nicht um Steuersenkungen geht, aber die Bürger wollen ihre Steuererklärung verstehen», betont der Abgeordnete. So stellt er sich mehr Pauschalbeträge und weniger Einzelfallprüfungen vor. «In der Schweiz ist das alles etwas einfacher», schwärmt er. Kommt sie nun also, die Steuererklärung auf dem Bierdeckel, wie sie der Parteikollege Friedrich Merz vor vielen Jahren forderte?

«Den großen Wurf von Merz und Kirchhof werden wir nicht umsetzen können», so von Stetten. Er spricht von vielen kleinen Einzelschritten und davon, dass man alles in Ruhe berechnen müsse. Anfang Januar soll dann der Gesetzentwurf vorliegen, im Juni soll er im Bundestag verhandelt werden. Geht dieser dort durch, wäre das für den Abgeordneten aus Baden-Württemberg ein Erfolg, mit dem er sich für andere Aufgaben in der Union empfehlen könnte. Von Stetten ist ein Politikprofi, mit 16 Jahren trat er in die Junge Union, die Nachwuchsorganisation der CDU, später dann in die Mutterpartei CDU ein.

Seit 2002 ist er Mitglied des Bundestages, Schweizer ist er seit seiner Geburt. «Meine Mutter ist Schweizerin», erklärt er. Aufgewachsen ist von Stetten in Deutschland, auf der Burg der Familie. Zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz gebe es viele Gemeinsamkeiten, wie etwa die Sauberkeit und den Fleiss der Bürger. Doch wie sehr fühlt er sich als Schweizer? «Wenn die Schweiz im Fußball spielt, drücke ich den Schweizern schon die Daumen. Aber ich bin auch Abgeordneter im Bundestag.»

Auch wenn der studierte Betriebswirt selbst Deutscher und Schweizer ist - ein Befürworter der doppelten Staatsbürgerschaft ist er deshalb aber nicht: «Wenn sie jemand von Geburt an bekommt, dann hat er sie halt.» Wenn man aber in ein Land einwandert müsse man sich für eine Staatsbürgerschaft entscheiden, betont er.

Denn wie schwierig es in der Praxis mit der doppelten Staatsbürgerschaft sein kann, weiss von Stetten aus eigener Erfahrung: Die Fussballmannschaft des Bundestages spielt jedes Jahr gegen die des Schweizer Parlaments, zusammen mit Österreich und Finnland. Die Vorraussetzung um bei den Schweizern mitspielen zu können sei die Staatsangehörigkeit und die Mitgliedschaft im Parlament. «Beides trifft auch auf mich zu.» Doch bislang spielte er immer in der Mannschaft des Bundestages. Das nächste Spiel steht im Mai 2011 an. In der Schweiz. Und auf welcher Seite von Stetten spielt? Die Rolle des Schiedsrichters wäre vielleicht noch zu vergeben.

Dieser Beitrag ist auch auf NZZ Online erschienen.



Mehr Positionierung als Diskussion

Posted: November 26th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | 1 Comment »

Zur medialen Rezeption der Ausschaffungs-Initiative in den Schweizer Onlinemedien und dem Social Web

Am kommenden Sonntag, den 28.11.2010, werden die Bürger zur Urne gebeten, um zum einen über die Steuergerechtigkeits-Initiative der SP und zum anderen über die Ausschaffungs-Initiative der SVP abzustimmen. Die Initiative zur Ausschaffung krimineller Ausländer ist politisch brisant und war in den vergangenen Woche medial entsprechend präsent. Ein genauerer Blick auf die mediale Debatte zeigt allerdings: Das Interesse der Medien nimmt bereits vor der Abstimmung ab und politisch besonders heikle Punkte, wie die mögliche Verletzung völkerrechtlicher Verträge und der Menschenrechte, spielen in der Debatte nur eine untergeordnete Rolle.

Mediale Dominanz der Ausschaffungs-Initiative nimmt ab
Ihren bisweilen letzten Höhepunkt erreichte die Debatte zur umstrittenen Initiative um den 8. November. Medial diskutiert wurde zu diesem Zeitpunkt das Treffen der Bundesrätin Sommaruga mit ihren Amtskollegen aus der EU, in dessen Rahmen sie die Umstände der Initiative erklärte. Zudem veröffentlichte die SVP kurz danach die Ergebnisse einer von der Partei initiierten Volksbefragung. An der nicht repräsentativen Umfrage beteiligten sich rund 2% der Schweizer Bevölkerung. Aus den Ergebnissen schloss die SVP den Wunsch der Bevölkerung nach einer härteren Ausländerpolitik und damit auch auf die Zustimmung zur Ausschaffungs-Initiative. Aufsehen erregt vor allem auch die Störaktion eines Aktionskünstlers während der entsprechenden Medienkonferenz. Das Medieninteresse an der Initiative selbst nahm danach drastisch ab.

Die Medienpräsenz der Ausschaffungs-Initiative (blau) und der Steuer-Initiative (rot) in den deutschsprachigen Schweizer Medien im Vergleic

Die Medienpräsenz der Ausschaffungs-Initiative (blau) und der Steuer-Initiative (rot) in den deutschsprachigen Schweizer Medien im Vergleic

Bürger positionieren sich im Social Web
Über 100 Facebook-Gruppen und Seiten sowie die zahlreichen Tweets und Youtube-Videos weisen auf ein starkes Interesse der Schweizer Bevölkerung an der Ausschaffungs-Initiative hin. Die größte Gruppe “Ja zur Ausschaffungsinitiative am 28. November” hat über 8500 Mitglieder; die der Initiativ-Gegner “Ausschaffungsinitiative 2xNein  - 2xNon à l’initiative sur le renvoi” an die 5950. Die Unterstützung der Befürworter und Gegner der Initiative auf Facebook scheint vielen Mitgliedern des sozialen Netzwerkes allerdings eher ein Mittel zur Schärfung des eigenen Profils zu sein als eines zum Austausch und zur Debatte. Eine Diskussion im Sinne eines Austausches an Argumenten findet in nur wenigen Gruppen tatsächlich statt. Das Social Web dient in diesem Fall offensichtlich zur öffentlichen Positionierung und weniger als Diskussionsplattform.

Menschenrechte spielen in der Debatte nur untergeordnete Rolle
Thematisch standen vor allem Fragen zur Ausländer-Kriminalität und zur Sicherheit im Mittelpunkt der Debatte. Weniger Aufmerksamkeit kam in den Medien beispielsweise der Vereinbarkeit der Initiative mit dem zwingenden Völkerrecht und dem Schutz von Flüchtlingen zu.

Die Ausschaffungs-Initiative (Präsenz in den Schweizer Onlinemedien: blau) wird kaum im Zusammenhang mit völkerrechtlichen und menschenrechtlichen Fragen oder dem Non-Refoulment Gebot diskutiert (gelb)

Die Ausschaffungs-Initiative (Präsenz in den Schweizer Onlinemedien: blau) wird kaum im Zusammenhang mit völkerrechtlichen und menschenrechtlichen Fragen oder dem Non-Refoulment Gebot diskutiert (gelb)

Für Daniel Graf, den Mediensprecher der Schweizer Sektion von Amnesty International, ist dies wenig überraschend, da auch der Gegenvorschlag des Parlaments hauptsächlich auf die Bekämpfung der Ausländerkriminalität ausgelegt ist. Konsequenzen für den Schutz der Menschenrechte wurden auch von den bürgerlichen Parteien nur am Rande erwähnt. Dabei tangiert diese Frage keinesfalls nur eine Fachdebatte, meint Graf. “Mit dem Ausschaffungs-Automatismus der Initiative könnten ja Menschen in ein Land zurück geschickt werden, in dem ihnen Folter oder Todesstrafe drohen. Diese Aspekte fehlten bisher in der Berichterstattung. Zudem wurde kaum erwähnt, dass die Initiative nicht nur das Völkerrecht verletzt, sondern auch die Schweizer Verfassung.”

Gemäss der letzten Umfragen des gfs.bern befürwortet eine Mehrheit von 54 % die Initiative. Der Gegenvorschlag des Parlaments, der die Einhaltung des Völkerrechts gewährleisten soll, hat es dagegen schwerer. Nur 43% der Befragten erklärten, diesen annehmen zu wollen.

Die mediale Rezeption und Diskussion erinnert insgesamt sehr an jene im Vorfeld der Abstimmung zur Minarett-Initiative. Daniel Graf hofft, dass die für viele überraschende Annahme des Minarett-Verbots ein Weckruf für all jene war, die glauben, dass die Verletzung von Menschenrechten in der Schweiz ein Tabuthema und nicht durchsetzbar ist.

Am 28. November werden sich die Schweizer auch offline positionieren müssen.

Dieser Beitrag ist auch bei der NZZ Online erschienen.



Journal21: Gegenmodell zum Mainstream-Journalismus

Posted: Oktober 29th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | 1 Comment »

Heiner Hug, Initiator von Journal21

Heiner Hug, Initiator von Journal21

Heiner Hug, Initiator von Journal21, engagiert sich für Qualitätsjournalismus

Internetnutzer haben sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, dass Nachrichten und Informationsformate kostenfrei und rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Doch wie steht es um die Qualität dieser Beiträge?

Eine qualitativ hochwertige redaktionelle Arbeit bedarf auch entsprechender Ressourcen. So ist die Frage nach der Sicherung der Qualität dieser Inhalte eng verbunden mit jener nach der Finanzierung von Redaktionen und Technik. Gerade kleinen Formaten, die ausschliesslich im Web publizieren, bleibt oft nur die Finanzierung über Werbung. Modelle, bei denen Nutzer für den Zugang zu ganzen Internetzeitungen oder für einzelne Beiträge zahlen, sind wenig etabliert und gelten auch als schwer umsetzbar. Unabhängige Nachrichtenportale haben es daher schwer.

Ein Gegenmodell aus Leidenschaft ist die Internetzeitung Journal21, welche bewusst auch auf die finanzielle Unabhängigkeit ihrer Autoren setzt. Initiator des Projekts ist der bekannte Journalist und ehemalige „Tagesschau“-Chef Heiner Hug. Insgesamt war er 38 Jahre lang für das Schweizer Fernsehen tätig und gilt als ausgewiesener Medienkenner.

Im September ging das Portal online. politReport hat Heiner Hug dazu befragt.

politReport: Sie haben Journal21 initiiert und 80 etablierte Journalisten für Ihr Projekt gewinnen können. Was ist Ihr Antrieb, Ihre Motivation? Sehen Sie sich als Verleger, Herr Hug?
Heiner Hug: Wenn einer ein richtiger Journalist ist, dann bleibt er es ein Leben lang. Wenn einer das journalistische Feuer in sich hat, dann erlischt das nicht mit 60, 62 oder 65 Jahren. Wie alle Kader beim Schweizer Fernsehen bin ich freiwillig mit 62 in Pension gegangen. Ich habe aber noch immer dieses Feuer in mir. Der Journalismus fasziniert mich nach wie vor. Ich habe nach meiner Pensionierung viele, viele Kolleginnen, Kollegen und Freunde getroffen, die gleich denken und Lust haben, weiter journalistisch tätig zu sein. So entstand die Idee dieses Journal21. Unser Geschäftsmodell ist kein Geschäft. Keiner verdient einen Cent, alle arbeiten aus Lust und Freude. Wir sind alles gestandene Journalisten (auch mehrere jüngere sind dabei). Wir waren Chefredaktoren, Ressortleiter, Korrespondenten, verantwortliche Redaktoren. Nein, als Verleger sehe ich mich nicht. Wir wollen und können keine Konkurrenz zu den bestehenden Medien sein. Aber wir möchten dereinst als wichtige Stimme wahrgenommen werden.

pR: Wen möchten Sie mit Ihrem Angebot erreichen? Ist die Schweizer Nische zwischen NZZ und Echo der Zeit im Internet nicht etwas zu klein?
Hug: Wir möchten ein Publikum erreichen, das sich nicht mit Kurzfutter begnügt, das die ewig gleichen Themen satt hat. Wir wollen nicht im Mainstream schwimmen. Wir richten uns an ein wissensbegieriges Publikum, das auch längere Texte lesen will. Wir wollen Analysen, Kommentare und Meinungen bringen. Die klassischen Medien, auch die erwähnten, tun das immer weniger. Alles wird kürzer und kürzer, alles wird „mainstreamiger“. Wir wollen auch ein Forum, sein: Politiker aller Couleur, Kunstschaffende, Wissenschafter, Wirtschaftsleute haben bei uns die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen; sie müssen sich nicht auf elfeinhalb Zeilen beschränken. Wir sind sehr gut gestartet, was darauf hindeutet, dass da eine wichtige Nische zu bearbeiten ist.

pR:Um Ihr Angebot Journal21 nachhaltig zu betreiben werden Sie wahrscheinlich damit auch Geld verdienen müssen. Welche Strategie verfolgen Sie hier?
Hug: Das Erstaunliche ist: Wir denken nicht ans Geld. Unser Auftritt wird von unserem Enthusiasmus getragen. Dieser würde sicher leiden, wenn Geld ins Spiel käme. Natürlich gibt es immer Leute, die Geld verdienen wollen – aber die machen nicht mit bei uns. Und es gibt solche, die aus Lust und Freude arbeiten – und die sind bei uns. Auch unseren Gastkommentatoren sagen wir: „Keiner von uns verdient einen Cent, auch ihre Kolumne werden wir nicht bezahlen. Machen Sie trotzdem mit?“ Und sie machen mit. Wenn wir vielleicht bald einmal einige wenige Reklame-Stücke schalten, dann um unseren Betrieb zu finanzieren, Webmasterin, Grafikerin, Bildrechte etc. Aber wir selbst bleiben dabei: Keiner von uns verdient etwas.

politReport dankt Herrn Hug für das Gespräch.

Der Beitrag ist auch bei der NZZ Online erschienen.



Stuttgart 21 – Eine überfällige Debatte erobert die Medien

Posted: Oktober 20th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | Tags: , , | No Comments »

Am 27.3.2011 sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Die Wahl wird auch zum «Volksentscheid» über «Stuttgart21».

Am 27.3.2011 sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Die Wahl wird auch zum «Volksentscheid» über «Stuttgart21».

Ein Bahnhof erregt die Gemüter

Im Schwabenland wird gegen das Grossbauprojekt «Stuttgart 21» demonstriert. Dabei geht es immer weniger nur um den Umbau des Hauptbahnhofes, sondern zunehmend um Fragen nach direkter Demokratie, einer möglichen Volksabstimmung und politischer Partizipation. Eine Debatte, welche die Medien über Deutschland hinaus beschäftigt.

Die Bauarbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof begannen bereits im Februar diesen Jahres. Die Planung selbst geht bis in die 90er Jahre zurück. Erst mit den ersten grösseren Demonstrationen fand das Thema seinen Weg über die regionalen Medien hinaus.

«Stuttgart21» und die Frage nach direkter Demokratie in den Medien

Das Grossbauprojekt «Stuttgart 21» hat sich in den vergangenen drei Monaten zu einem medialen Dauerbrenner entwickelt. Spätestens seit dem 30. September 2010, als es während einer Demonstration, an der unter anderem Stuttgarter Schüler, Hausfrauen und Rentner teilnahmen, zum Polizeieinsatz mit Schlagstöcken, Wasserwerfern und Tränengas kam, dominiert die Debatte die deutschen Medien und findet Rezeption weit über die Bundesrepublik und Europa hinaus. Selbst internationale Leitmedien wie die New York Times berichten zu diesem Thema. Ein Blick auf die Inhalte der Diskussionen in deutschsprachigen Print- und Onlinemedien zeigt, dass es nicht mehr nur um die Frage geht, ob Stuttgart denn nun einen Kopf- oder Durchgangsbahnhof hat. Die Forderung nach einem Volksentscheid und die konsequentere Einbindung der Bürger und Bürgerinnen in derartige Entscheidungsprozesse sind feste Bestandteile der Gesamtdebatte. Diese Entwicklung ist ein deutliches Indiz für kommunikative und politische Versäumnisse im gesamten Entscheidungsprozess des Bauprojekts – und im gesamten politischen Prozess.

Im Zusammenhang mit «Stuttgart 21» (blau) wird zunehmend auch über Fragen der direkten Demokratie und einen möglichen Volksentscheid diskutiert. Vergleich der Nennungen in Online-Medien.

Im Zusammenhang mit «Stuttgart 21» (blau) wird zunehmend auch über Fragen der direkten Demokratie und einen möglichen Volksentscheid diskutiert. Vergleich der Nennungen in Online-Medien.

#S21 - Rezeption im Social Web
Das Social Web in Form von Blogs und Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter ist ein guter Seismograph für Stimmungen und Themen in der Bevölkerung. Der Hashtag S21 (#S21), ein Kürzel, das unter Nutzern der Kommunikationsplattform genutzt wird, um Beiträge zum Thema «Stuttgart 21» zu kennzeichnen, ist bereits seit dem 31. Juli 2010 kontinuierlich unter den fünf häufigsten Schlagworten bei Twitter. Der Medienbeobachtungsdienst blueReport erfasst alleine am vergangenen Wochenende fast 11.000 so genannte Tweets (Kurznachrichten der Nutzer) zu diesem Thema. Austausch findet zudem in verschiedenen Gruppen bei Facebook statt. Die grösste Gruppe der Gegner des Projekts hat mittlerweile über 80.000 Mitglieder, jene der Befürworter fast 100.000. In beiden Gruppen findet ein auch für Facebook aussergewöhnlich reger Austausch an Informationen und Meinungen statt. Die Zahl derjenigen, die sich persönlich an der Diskussion beteiligen, steigt stetig. Dies zeigt auch ein quantitativer Vergleich der Beiträge von klassischen Online-Medien und der Blogosphäre. Der Anteil der privat oder semi-professionell verfassten Beiträge ist im Vergleich zu anderen ähnlich präsenten Themen hoch.

Beiträge zum Thema «Stuttgart 21» in den Online-Medien (blau) und in Blogs (grün).

Beiträge zum Thema «Stuttgart 21» in den Online-Medien (blau) und in Blogs (grün).

Langer Weg vom Protest zur medialen Aufmerksamkeit
Für Lynn Gogolin von «Mehr Demokratie e.V.» sind die enorme Medienpräsenz des Themas und die Dynamik der Proteste ein klares Zeichen dafür, dass es an Mechanismen zu gütlichen Lösungen fehlt. Dem Vorwurf, die Gegner des Projekts hätten sich erst viel zu spät überhaupt zu Wort gemeldet, entgegnet sie, dass ein Bürgerbegehren zu Bauprojekten bis 2005 in Baden-Württemberg rechtlich gar nicht zugelassen war. 2007 wurde ein Begehren trotz 60.000 statt notwendiger 20.000 Unterschriften für unzulässig erklärt. Ein Grund dafür sei gewesen, dass die Stadt Stuttgart bereits bindende Verträge mit dem Land Baden-Württemberg und der Deutschen Bahn abgeschlossen hatte.
Das Ausmass der aktuellen Debatte und des mittlerweile stark erhitzten Konfliktes zwischen den beiden Lagern zeigt vor allem die Überfälligkeit dieser lang gewachsenen Diskussion, die jetzt in Stuttgart vor Ort und in den Medien zum Ausbruch kommt. Der als Schlichter eingesetzte Alt-Politiker Heiner Geissler nennt es das Ende der Basta-Politik. Damit wird er wohl Recht behalten. Diese Erkenntnis scheint unabhängig von der Frage, ob sich in diesem Fall Befürworter oder Gegner des Projekts durchsetzen. Eine Politik über die Köpfe der Betroffenen hinweg scheint in einer derart medial vernetzten Welt kaum mehr möglich.

Dieser Artikel ist auch bei der NZZ Online erschienen.



Noch keine Bundesräte 2.0

Posted: September 28th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | No Comments »

Quelle: NZZ Online

Quelle: NZZ Online

Das Social Web spielt in der politischen Berichterstattung nur eine marginale Rolle

Die Bundesratswahlen dominierten über Wochen die Schweizer Medien. Im allgegenwärtigen Social Web in Form von Blogs, Twitter, Facebook und Co. erfuhren die Kandidaten und der Wahlkampf allerdings nur eine zurückhaltende Resonanz. Das faktische Monopol zur politischen Berichterstattung verbleibt bisweilen bei den traditionellen Medien.

Simonetta Sommaruga und Johann Schneider-Ammann sind als neue Bundesräte vereidigt worden und werden voraussichtlich im November diesen Jahres die Nachfolge von Moritz Leuenberger und Hans-Rudolf Merz antreten. Die Medienresonanz der eidgenössischen Medien auf das Wahlergebnis war erwartungsgemäss hoch. Wenn auch die Wahl der Kandidaten wenig überraschend war, so ist es doch zumindest der historische Moment einer Frauenmehrheit im Bundesrat, der eine starke Rezeption in den Medien findet. Im Besonderen gilt dies für die internationalen Medien und auch das Social Web.

Das Social Web reagiert schnell und intensiv
Es liegt in der kurzlebigen Natur von Twitter und Facebook, dass Nachrichten mit Sensationscharakter, wie etwa Abstimmungsergebnisse oder die historische Frauenmehrheit, eine schnelle und netzwerkartige Verbreitung finden. Ein konstantes Interesse ist dort kaum zu verzeichnen. Der Berner Politologe und Kommunikationsexperte Mark Balsiger sieht die Social Web-Kultur da noch nicht ausreichend entwickelt. „Die Social-Media-Produzenten orientieren sich wie meistens an den etablierten Medien und reproduzieren oder kommentieren deren Beiträge. Eigenständige Ansätze findet man kaum.“ Auch in der Blogosphäre kommt politischen Themen nur eine untergeordnete Rolle zu. „ In der Schweiz gibt es nur sehr wenige Blogs, die sich seit Jahren explizit mit Politik befassen. Entsprechend blieben die Postings im Vorfeld der Bundesratswahlen und danach rar.“

Medienpräsenz der beiden neuen Bundesräte in den klassischen Online-Medien (Sommaruga orange, Schneider-Ammann rot) und in Blogs (Sommaruga blau, Schneider-Ammann grün) (Bild: politReport)

Medienpräsenz der beiden neuen Bundesräte in den klassischen Online-Medien (Sommaruga orange, Schneider-Ammann rot) und in Blogs (Sommaruga blau, Schneider-Ammann grün) (Bild: politReport)

Politiker kaum präsent im Social Web
Ein Grund für die mangelnde Präsenz politischer Themen im Web 2.0 liegt in der Tatsache, dass besonders hochrangige Politiker kaum selbst im Social Web aktiv werden. Nur einige Wenige twittern oder sind auf Facebook aktiv. Aus dem Kreis der Bundesräte sind Eveline Widmer-Schlumpf und Doris Leuthard persönlich bei Facebook aktiv. Ihre Kollegen finden sich lediglich in Form mässig populärer Fan-Seiten. Mit Moritz Leuenberger scheidet nun der einzige Bundesrat mit einem eigenen Blog aus dem Amt. Zuletzt erhielten einzelne Beiträge von ihm bis zu 200 Kommentare. Allerdings zeichneten sich auch dort Ermüdungserscheinungen ab. In diesem Jahr publizierte er lediglich drei Beiträge.

Politiker ignorieren Möglichkeiten zum Dialog
Hintergründige Berichterstattung mag weiterhin das Monopol klassischer Medien bleiben, die Verweigerung der Nutzung neuer Medien ignoriert aber den Wandel der Medienwelt und der Kommunikationswege. Das Social Web ist dabei kein Gegenpart zur traditionellen Berichterstattung, sondern eine Ergänzung. Es macht die Diskussionen und den direkten Dialog an sich zum Inhalt der Nachricht und stellt diesen in den Mittelpunkt. Mark Balsiger glaubt, dass Politiker diese Chance noch nicht erkannt haben oder den zeitlichen Aufwand fürchten. „Vorläufig wirkt sich diese Ignoranz noch kaum negativ aus. In ein paar Jahren, wenn der strukturelle Wandel der Medien weit fortgeschritten ist, dürfte es nicht mehr drin liegen, die Social-Media-Kanäle links liegen zu lassen.“ Für eine Annäherung zwischen Politikern und Bürgern dürfte der digitale direkte Dialog jedenfalls förderlich sein.

Dieser Artikel ist auch bei der NZZ Online erschienen.



Die Bundesratskandidaten im Spiegel der Medien

Posted: September 8th, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | No Comments »

politReport evaluiert die Medienpräsenz der einzelnen Kandidaten

Bundesratswahlen sind ein mediales Spektakel und werden entsprechend eng von der Öffentlichkeit begleitet. Bereits die Demissionserklärungen von Moritz Leuenberger und Hans-Rudolf Merz waren medienwirksam inszeniert. In der Zeit vor der Wahl stehen nun die einzelnen Kandidaten im besonderen Mittelpunkt des Medieninteresses.

politReport erhebt mit Hilfe der Medienbeobachtung blueReport die quantitative Medienpräsenz der einzelnen Kandidaten im Web. Tagesaktuell werden dafür insgesamt 18′000 redaktionell geprüfte Online-Medien ausgewertet. Hierbei zeigt sich deutlich eine Tendenz: Die Einzelkandidaturen werden immer enger von den Medien begleitet. Dabei bekommen die Bundesratswahlen in der medialen Rezeption zunehmend den Charakter von direkten Personalwahlen.

Regionalmedien setzen auf Kandidaten vor Ort
Aus Sicht des renommierten Politikberaters Iwan Rickenbacher nimmt auch die grosse und regional zerstreute Auswahl der Kandidaten Einfluss auf die Medienpräsenz des Einzelnen. Viele Regionalmedien kommentieren “ihre” Kandidaten sehr nahe und gleichermassen intensiv. “Diese Nahsicht fördert Aspekte zutage, die dann auch in den überregionalen Medien aufgegriffen und verarbeitet werden. Führungsergebnisse in kommunalen Gremien, Akzeptanz in kantonalen Parlamenten, persönliche Leistungen im nahen Lebensraum etc.” Ein Phänomen, das sich so auch in den Online-Medien widerspiegelt.

Die Kandidatur von Eva Herzog erfuhr eine starke mediale Resonanz. Offiziell nominiert für die Bundesratswahlen wurde die SP-Regierungsrätin von ihrer Fraktion nicht.

Die Kandidatur von Eva Herzog erfuhr eine starke mediale Resonanz. Offiziell nominiert für die Bundesratswahlen wurde die SP-Regierungsrätin von ihrer Fraktion nicht.

Gerade Aussenseiter-Kandidaturen medial präsent
Dies schien besonders Kandidaten ohne grosse realistische Erfolgschancen zu Gute zu kommen. Ein Beispiel dafür war das starke Interesse an der Nomination von Eva Herzog. Für Rickenbacher passt dies ins Konzept der medialen Wahrnehmung der Kandidaten. Gemäss dem Politikexperten kamen ihr verschiedene medienwirksame und medienbeinflussende Faktoren zu Gute. Die SP-Regierungsrätin habe von sich aus erklärt, dass sie das Amt der Bundesrätin bekleiden möchte und sich dabei nahezu keine Bedenkzeit erbeten. Sie stamme zudem aus der Nordwestschweiz, einer Region, die glaube, in der restlichen Schweiz zu wenig wahrgenommen zu werden, und zudem aus der Stadt Basel, in der die bedeutsamen Schweizer Medien stark vertreten seien.

Einfluss der Medien auf Wahl indirekt
Auf den tatsächlichen Ausgang der Wahl kann auch eine sehr starke Medienpräsenz nur indirekten Einfluss haben. Sie wird nichts daran ändern, dass beispielsweise zwei Kandidaturen aus dem gleichen Kanton wenig erfolgsversprechend sind. “Zu den unausgesprochenen Regeln gilt nach wie vor, dass die Schweiz in ihrer Diversität in der obersten Landesregierung abgebildet werden sollte,” betont Iwan Rickenbacher die Grenzen des Einflusses der Medien.

Dennoch sind auch Parlamentarier nicht frei von medialem Einfluss. Gelingt es einem Kandidaten, sich mit seinen Themen prominent in den Medien zu platzieren und erfährt so Unterstützung in der breiten Masse und von der Wählerschaft, wird dies auch den stimmberechtigten Parlamentariern nicht gleichgültig sein.

Der Artikel ist auch bei der NZZ Online erschienen.



politReport analysiert für die NZZ Online die Bundesratswahlen

Posted: September 2nd, 2010 | Autor: Simone Wagner | Filed under: Uncategorized | No Comments »

bildschirmfoto-2010-09-02-um-160221In den kommenden Wochen behält politReport für die NZZ Online die Kandidaten der Bundesratswahl 2010 im Blick. Wer schafft es, die meiste Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? Wie positionieren sich Favoriten und Aussenseiter in den Schweizer Medien?

Die interaktive politReport-Grafik zeigt tagesaktuell alle medialen Hochs und Tiefs der Anwärter auf die beiden vakanten Bundesratssitze.
Ergänzt werden die Auswertungen durch aufschlussreiche Analysen und Expertenmeinungen.

Mehr dazu auf NZZ Online und bald hier auf politReport.ch.